Das Wort "Samariter" hat einen guten Klang. Der "Arbeiter-Samariter-Bund" gehört zu den größten Gesundheits- und Sozialorganisationen Österreichs. Den Namen hat diese wohltätige Organisation dem heutigen Evangelium entliehen. Der Helfer in der Not, von dem Jesus im Gleichnis erzählt, war ein Samariter, und weil er barmherzig war und an der Not des Verletzten nicht vorbei gegangen ist, hat das Wort "Samariter" einen so guten Klang bekommen.
Inzwischen haben sich europaweit ähnliche Hilfsorganisationen unter dem Namen "Samaritan International" zusammengeschlossen. Der gute Klang des Wortes "Samariter" ist weltweit geworden. Und immer noch steht dahinter das Vorbild aus dem heutigen Evangelium: Der "Mann aus Samarien", der mit dem Schwerverletzten Mitleid hatte und nicht achtlos an ihm vorbeiging.
Als Jesus damals dieses Gleichnis erzählte, war das Wort "Samariter" für seine jüdischen Zuhörer fast ein Schimpfwort. Denn die Menschen, die in Samarien lebten, zwischen Judäa mit Jerusalem als Hauptstadt im Süden und Galiläa im Norden, galten dem gläubigen Juden sozusagen als Ungläubige, als Irrlehrer und religiös Verdächtige. Auf jeden Fall waren sie Andersgläubige. Freilich war das Urteil der Samariter über die Juden um nichts besser, wie uns so manche Ereignisse im Evangelium bezeugen.
Ausgerechnet einen dieser verachteten "Ausländer", einen Samariter, nimmt Jesus als Beispiel gelebter Nächstenliebe. Dass wir Gott aus ganzem Herzen lieben sollen und unseren Nächsten wie uns selbst, das ist die Summe und der Kern aller Gebote Gottes. "Handle danach, und du wirst leben", sagt Jesus dem Mann, der ihn fragt, was denn nötig sei, um das ewige Leben zu erlangen.
"Und wer ist mein Nächster?" Diese Gegenfrage ist nicht nur ein Ausweichmanöver. Die Frage stellt sich mir täglich, und ich denke, nicht nur mir. So vieles wird von mir erwartet. So viel Not gibt es in der Welt. So viele Menschen brauchen etwas. Man kann sich nicht um alle kümmern. Wir müssen auswählen. Was kommt zuerst? Die Familie oder der Nachbar in Not? Wo ist mein Einsatz gefordert? Und wo muss ich sagen: Das muss ich anderen überlassen?
Jesus gibt auf diese Frage keine theoretische Antwort. Er stellt keine allgemeinen Regeln auf. Er erzählt eine Geschichte. Und diese Geschichte hat so viele Menschen berührt, dass bis heute die Hauptfigur dieser Geschichte, der verachtete Fremde, zum barmherzigen, zum guten Samariter geworden ist.
Was ist so ergreifende an diesem Gleichnis? Ich glaube, es ist die Tatsache, dass alle sich davon betroffen fühlen. Ich vermute, es ist uns allen schon einmal so ergangen wie dem Priester und dem Leviten: Wir sehen einen Notfall, wechseln die Straßenseite und gehen schnell weiter. Meist mit guten Gründen: keine Zeit oder Termine, Eile, oder auch Angst, in eine gefährliche und schwierige Situation hineingezogen zu werden. Umso beeindruckender ist dieser Fremde, Andersgläubige, der Samariter, der nicht vorbeigeht, nicht auf die Gefahr und die Mühe achtet - und einfach hilft. Heute gilt es, den Zahllosen zu danken, die seinem Beispiel folgen und dem Wort "Samariter" einen so unverwechselbar guten Klang geben.